| ZUSAMMENFASSUNG Bei
den minimal invasiven Operationsmethoden der morbiden
Adipositas (Body Mass Index > 40 kg/m²) stellt das
laparoskopische verstellbare Magenband eine effektive
komplikationsarme operative Massnahme zur
Gewichtsreduktion dar. Diese Massnahme hilft dem
Patienten mit morbider Adipositas im Vergleich zu anderen
Therapiemöglichkeiten in relativ kurzer Zeit auf lange
Sicht eine angemessene Lebensqualität wieder zu
erreichen.

Einleitung
Extreme
Formen von Übergewicht sind durch Diät,
Verhaltenstherapie oder Medikamente nicht mehr
beeinflußbar1. Innerhalb der letzten 40 Jahre
sind mehr als 50 verschiedene Operationsmethoden zur
Behandlung der morbiden Fettsucht (Body Mass Index mehr
als 40 kg/m²) vorgeschlagen worden.
Seit 1985
verbreitet sich eine Methode der Mageneinengung zur
Behandlung der morbiden Adipositas, das sogenannte
verstellbare Magenband. Das von Kuzmak2
beschriebene Adjustable Silicon Gastric Banding
(ASGB) und von Hallberg3
beschriebene Swedish
Adjustable
Gastric Band sind Methoden, die eine Regulation der
Mageneinengung erlauben.
Das
verstellbare Magenband ist ein 12 mm breites Band aus
weichem Silikon mit einem elastischen Ballon, das
individuell durch eine Injektion aufgefüllt werden kann.
Das Band wird um den oberen Teil des Magens gelegt, so
dass der Magen in zwei Teile aufgeteilt wird, einen
kleinen Teil oberhalb des Bandes mit etwa 15-20 ml Inhalt
(Pouch) und dem Rest unterhalb des Bandes. Die Enge wird
Stoma genannt. Das verstellbare Magenband bietet dem
Chirurgen die Möglichkeit, den Stoma-Durchmesser zu
verändern. An dem Band ist ein kleiner Schlauch
angebracht, der in ein Injektionsreservoir (Port)
mündet. Der Port wird unter der Rektusfaszie fixiert und
ist unter Röntgendurchleuchtung sichtbar. Durch eine
Injektion in den Port kann durch Hinzufügen oder
Entfernen von Flüssigkeit im elastischen Teil des Bandes
das Stoma vergrössert oder verkleinert werden.
Die erste
laparoskopische Implantation eines verstellbaren
Magenbandes wurde 1993 von Belachew4 anhand
eines Tiermodells veröffentlicht.
Seit Juli
1994 wird an unserer Abteilung das laparoskopische
Magenband neben der konventionellen bandverstärkten
Gastroplastik routinemäßig durchgeführt.
Operationstechnik
In halb sitzender Position des Patienten werden 5
Trokare eingebracht. Mittels eines im Magen liegenden
Kalibrierungsballons wird die Inzision an der kleinen
Kurvatur festgelegt. Hier wird ein etwa 0,5 - 1 cm
grosses Fenster cardianahe angebracht, von dem aus die
Hinterwand des oesophago-gastralen Überganges (ÖGÜ)
bis zum His`schen Winkel fortgesetzt wird. Es wird
anschliessend der EndodissektorÒ
( Inamed ) eingeführt und mit dem Katheterende
verbunden. Das Katheterende des Magenbandes wird
anschliessend um die Cardia gelegt. Zur endgültigen
Positionierung des Bandes wird der Kalibrierungsballon im
Bereich der Cardia auf 10 - 15 ml aufgefüllt und
unterhalb dieses sogenannten Pouches das Band mit einem
speziellen Verschlussgerät geschlossen. Beim Swedish Adjustable
Gastric Band nach Hallberg erfolgt der Verschluss mit
Einzelknopfnähten. Mit 3-4 seromuskulären
Nähten an der grossen Curvatur wird ein Verrutschen des
Bandes verhindert. Das Katheterende des Bandes wird durch
den 18 mm Trokar nach aussen gebracht und hier mit dem
Port verbunden, der unter die vordere Rektusscheide mit
4-Einzelknopfnähten fixiert wird .
POSTOPERATIVER
VERLAUF:
Am 1.postoperativen Tag erfolgt eine
Röntgen-Kontrastdarstellung mit Gastrografin. Bei
unauffälligem Befund darf der Patient bereits Trinken,
gefolgt von Aufbaukost. Bei der endoskopischen Operation
ist ein postoperativer Aufenthalt der zuletzt
durchgeführten operationen von 2 - 4 Tagen üblich. Die
definitive Einstellung des Stomas über den Port erfolgt
ambulant nach 4 - 6 Wochen. Engmaschige ambulante
Kontrolluntersuchungen sind obligat.
Eigene
Ergebnisse
An
bariatrischen Operationen wurde von Juli 1994 bis Juli
1996 bei 71 Patienten ein laparoskopisches Magenband und
bei 147 Patienten eine konventionelle bandverstärkte
Gastroplastik durchgeführt. Der Grund für die geringe
Anzahl der endoskopisch durchgeführten verstellbaren
Magenbänder liegt in den hohen Materialkosten.
Die
Ergebnisse in Bezug auf Gewichtsreduzierung sind bei
beiden Methoden gleich, die Morbidität bei der
laparoskopischen Technik minimiert. Die ASGB-Methode ist
leichter reversibel, da keine Anastomose oder Klammernaht
am Magen angelegt werden muß. Gerade der schwer
übergewichtige Patient profitiert von einer
laparoskopischen Methode. Es ist eine deutlich frühere
Mobilisation und geringere Morbidität ist zu beobachten.
Auch Wundheilungsstörungen sind minimiert. An
postoperativen Frühkomplikationen beobachteten wir
lediglich bei einem Patienten (3%) eine vorübergehende
Cholestase bei synchroner Cholezystektomie. Die
Umstiegsrate zur offenen Methode ist mit derzeit 5%
erstaunlich gering. Bei den Spätkomplikationen wurden 2
Pouchdilatationen (6%) die eine neuerliche Operation
erforderlich machten, beobachtet. Eine postoperative
Früh- oder Spätletalität wurde nicht verzeichnet. Die
Nachuntersuchungsrate der laparoskopisch operierten
Patienten (n=71) beträgt 100% (5 bis 23 Monate). Die
Gesamtkomplikationsrate (Umstieg, Pouchdilatation,
Bandundichtigkeit, mangelnde Gewichtsreduktion etc.) ist
mit derzeit 17% anzunehmen.
Die
Gesamtkomplikationsrate bei der offenen bandverstärkten
Gastroplastik liegt auch an erfahrenen Zentren bei 35% 5,6.
In Tabelle 1 sind die Komplikationsraten bei
laparoskopischen Operationstechniken an verschiedenen
Zentren zusammengefasst.
Diskussion
Als die
Standardmethodik in der operativen Behandlung der
morbiden Adipositas gilt derzeit die weltweit am
häufigsten durchgeführte vertikale bandverstärkte
Gastroplastik mit etwa 20.000 Eingriffen pro Jahr. In den
bisherigen Studien zeigt sich kein Vorteil bei der
laparoskopisch durchgeführten bandverstärkten
Gastroplastik im Vergleich zur offenen Operationsmethode.
Die
Operationsmethode der Zukunft allerdings scheint derzeit
das laparoskopische verstellbare Magenband zu sein. Die
Ergebnisse in der Literatur, als auch die eigene
Erfahrung zeigt eine Methode, welche in der Lernphase
zwar schwierig ist, jedoch für den Patienten eine
deutlich geringere postoperative Morbidität aufweist.
Das verstellbare Magenband ist eine Operationsmethode,
die dem Patienten ein extrem frühes Sättigungsgefühl
verleiht, ohne die Lebensqualität weitgehend zu
beeinflussen. Von entscheidender Bedeutung ist die
Tatsache, dass die Operation den Beginn der Behandlung
darstellt. Engmaschige Kontrollen in Zusammenarbeit mit
Psychologen und Diätassistenten sind für den
langfristigen Erfolg essentiell.
Keine
Adipositasoperation wird ohne Mithilfe des Patienten
längerfristig erfolgreich sein. Auch die minimal
invasive Chirurgie der morbiden Adipositas birgt bei all
ihren Vorteilen ein gewisses Operationsrisiko, welches in
der Literatur mit unter 1% anzunehmen ist.
Literatur
1 Council on Scientific Affairs. Treatment of obesity
in adults. JAMA 1988; 260: 2547-2551
2 Kuzmak L. Silicone gastric banding: a simple and
effective operation for morbid obesity. Contemp Surg
1986; 28: 13-18
3 Hallberg D, Forsell P. Ballongband vid behandling av
massiv övervikt. Svensk Kirurgi 1985; 43 (2): 106.
4 Belachew M, Legrand M, Jaquet N. Laparoscopic
placement of adjustable silicone gastric banding in the
treatment of morbid obesity: an animal model experimental
study. Obes Surg 1993; 3: 140
5 Hell E, Lang B. Postoperative Komplikationen nach
vertikaler bandverstärkter Gastroplastik in 235 Fällen.
In: Standards in der Chirurgie. Boeckl o. Waclawiczek HW
(Hrsg.). W.Zuckerschwendt Verlag 1995, München Bern Wien
New York.
6 Berns KE, Smith DC , Kelly KA, Sarr MG. Reoperative
bariatric surgery. Lessons learned to improve patient
selection and results. Ann Surg 1993; 218: 646-653
Korrespondenz:
Univ.-Doz.
Dr. Karl Miller
II.Chirurgie,
Landeskrankenanstalten Salzburg
Müllner
Hauptstr.48, 5020 Salzburg,
Tel.:
0662-4482-2401
Fax:
0662-4482-2403
E-Mail:
k.miller@lkasbg.gv.at
Literatur:
1 Council
on Scientific Affairs. Treatment of obesity in adults.
JAMA 1988; 260: 2547-2551
2 Kuzmak L.
Silicone gastric banding: a simple and effective
operation for morbid obesity. Contemp Surg 1986; 28:
13-18
3 Hallberg
D, Forsell P. Ballongband vid behandling av massiv
övervikt. Svensk Kirurgi 1985; 43 (2): 106.
4 Belachew
M, Legrand M, Jaquet N. Laparoscopic placement of
adjustable silicone gastric banding in the treatment of
morbid obesity: an animal model experimental study. Obes
Surg 1993; 3: 140
5 Hell E,
Lang B. Postoperative Komplikationen nach vertikaler
bandverstärkter Gastroplastik in 235 Fällen. In:
Standards in der Chirurgie. Boeckl o. Waclawiczek HW
(Hrsg.). W.Zuckerschwendt Verlag 1995, München Bern Wien
New York.
6 Berns KE,
Smith DC , Kelly KA, Sarr MG. Reoperative bariatric
surgery. Lessons learned to improve patient selection and
results. Ann Surg 1993; 218: 646-653

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